Die Eiszeit geht weiter

Januar 2010 – Die Eiszeit geht weiter

Bereits Mitte Januar befragten wir einen Elblotsen auf elbebilder.de über die Probleme mit dem Eis. Inzwischen sind zwei weitere frostige Wochen vergangen. Zeit um erneut nachzufragen, wie sich die Situation entwickelt hat.

elbebilder.de: Seit unserem letzten Gespräch sind inzwischen 2 winterliche Wochen vergangen. Wie hat sich die Lage entwickelt?

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Elblotse Mario I. : Nicht gerade positiv für uns. Im Bezirk 1 (Hamburg bis Brunsbüttel) mussten fast alle Tonnen den Eisverhältnissen weichen. Teilweise blieb nicht einmal mehr die Zeit oder die Möglichkeit, sie gegen Eistonnen zu ersetzen.

Das Wasser und Schifffahrtsamt (WSA) war damit beschäftigt erst einmal alle Tonnen einzusammeln, da ein Grossteil vertrieben war oder drohte ganz unter das Eis gedrückt zu werden. Die meisten Tonnen liegen zur Zeit auf den Molen der Zufahrt zur Alten Schleusen und warten dort, dass es wärmer wird und sie wieder ihren normalen Dienst verrichten können.

Für uns Lotsen bedeutet dies, dass wir nun das ganze Revier mit zusätzlicher Radarberatung überwachen und der Schifffahrt über Funk mitteilen, wo sie sich gerade mit ihrem Schiff befinden. Dadurch müssen wir pro Tag 15 Lotsen extra stellen.

elbebilder.de: Sind schon Auswirkungen auf die Schifffahrt zu spüren?“

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Mario I. : Kleinere Binnenschiffe haben schon Probleme vorwärts zu kommen. Einige liegen sogar schon im Hamburger Hafen fest. Die kleinen Schleusen vom Nord-Ostsee-Kanal mussten gesperrt werden, da aufgrund des Eisganges die Tore nicht mehr aufgefahren werden könnern.

Aber auch immer mehr größere Schiffe haben nun Probleme mit ihrer Kühlung, da die Kühlwassereinsaugstutzen sich mit Eis voll setzen. Es gab bereits mehrere Maschinenausfälle und Notankerungen, da einige Maschinen sich aufgrund von Überhitzung selbst abgestellt haben. Erst nach einer Pause und Reinigung der Kühlwasserleitungen konnte die Reise dann fortgesetzt werden.

Im Nord-Ostsee-Kanal mussten die Lotsenbarkassen ihren Dienst einstellen. Diese Aufgabe wird jetzt von Schleppern übernommen.

elbebilder.de: Wie sind die Aussichten für die nächsten Wochen?

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Mario I. : Der Wetterbericht sagt für die nächsten Tage weiterhin Frost voraus. Damit wird sich die Situation erst einmal noch nicht entspannen. Für uns Lotsen bedeutet das weiterhin zusätzliche Arbeit, da die 7 Radarschirme 24 Stunden am Tag besetzt sein müssen.

Erst wenn die Temperaturen wieder steigen, kann langsam die Normalität einkehren, und dann müssen ja auch erst einmal wieder die Tonnen auf ihre Positionen gelegt werden. Wann das so weit sein wird, kann aber noch niemand voraus sagen. Der letzte große Eiswinter war im Jahr 1997. Damals musste das Eisradar über 3 Monate besetzt bleiben.

elbebilder.de: Kann man dem Winter denn trotz allem auch ein paar positive Seiten abgewinnen?

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Mario I. : Sicherlich mag ein jeder für sich selbst die schönen Seiten des Winters entdecken. Ich für meinen Teil genieße die sich permanent ändernden Sichtweisen des Revieres.

Was allein ein einzelner Sonnenstrahl bewirken kann, ein Scheeschauer, oder nur ein Schwarm Vögel der vorüber zieht, die Elbe hat viele Gesichter und ich genieße ein jedes.