Nebel, Schnee und Eisradar – Der Winter aus Sicht eines Elblotsen

Januar 2010 – Eiszeit auf der Elbe

Der Winter hat Deutschland fest im Griff. Seit mehreren Wochen sind die Temperaturen nicht mehr über 0° C gestiegen. Während man sich in Hamburg auf das Alster-Eisvergnügen vorbereitet macht sich das Eis auch langsam aber sicher auf der Elbe bemerkbar und stellt die Schifffahrt vor immer größere Probleme. Doch was bedeutet das konkret? Welche Einschränkungen gelten für die Schifffahrt und welche Maßnahmen werden getroffen? Elbebilder.de fragt und Elblotse Mario I. antwortet:

elbebilder.de: Wie hat sich die Wetter- und die Eislage in den letzten Wochen auf der Elbe entwickelt?

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Mario I. : Das Wetter ist uns momentan nicht besonders gut gesonnen. Der November erwies sich als Nebelmonat, im Dezember kam dann der Schnee dazu und seit Anfang des Jahres ist die Temperatur kaum einmal über die 0 Grad Grenze gestiegen. Diese Entwicklung brachte uns nun das Eis dazu, das täglich zunimmt. Einige kleiner Fahrzeuge mussten schon ihren Dienst einstellen. So hat die Glückstadt-Wischhafen-Fähre bereits den Betrieb eingestellt, weil die Anleger und die Zufahrten so vereist sind, dass ein Anlegen unmöglich ist. Zu allem Überfluß schiebt der Eisgang nun die Tonnen von ihren Sollpositionen.

elbebilder.de: Was passiert jetzt mit den Tonnen?

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Mario I. : Durch die Eisschollen kann es passieren, dass die Tonnen von ihrer Position verschoben werden. Manchmal reisst auch deren Ankerkette oder die Beleuchtung geht kaputt. Dadurch können die Tonnen zur Gefahr für die Schifffahrt werden. Um das zu verhindern, werden sie vom Wasser und Schiffahrtsamt (WSA) mit spezielen Booten (Tonnenlegern) eingeholt und durch spezielle Eistonnen ersetzt. Diese sind auf Grund ihrer Form und Größe nicht so anfällig gegen den Eisgang und sie sind auch nicht beleuchtet.

elbebilder.de: Was bedeutet das für den täglichen Einsatz auf der Elbe?

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Mario I. : Die Tonnen sind nicht beleuchtet und deshalb nachts und bei verminderter Sicht nicht zu sehen. Durch ihre Abmessungen und das viele Eis sind sie auch auf dem Radarschirm an Bord nur sehr schwer zu erkennen. Deshalb wird die Elbe in den entsprechenden Bereichen rund um die Uhr zusätzlich durch landgestütztes Radar überwacht.

Auch diese Aufgabe wird durch die Elblotsen in Form der Radarberatung übernommen. Der sog. Radarberater berät dann jedes Schiff einzeln auf seine Position hin im Fahrwasser. Im Moment betrifft das die Bereiche Wedel und Hetlingen. Sollte es aber weiter frieren, so kann es passieren, das noch weitere Bereiche der Elbe hinzukommen.

Die Beratung läuft dann fast ähnlich wie bei den Fluglotsen ab. Jeder Lotse hat einen bestimmten Bereich auf seinem Radarschirm und berät dort die Schiffahrt. Fährt das Schiff aus dem Bereich hinaus, übernimmt der nächste Lotse.

elbebilder.de: Wie läuft die Radarberatung genau ab?

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Mario I. : Die Elbe ist in mehrere Radarbereiche aufgeteilt. Dazu stehen an Land Radartürme, die ihre Daten in die Verkehrszentrale nach Brunsbüttel senden. Dort gibt es für die Radarberatung spezielle Arbeitsplätze, die bei Bedarf mit Elblotsen besetzt werden. Jedes Schiff wird dann individuell beraten und über aktuelle Position, Kurs und Lage zur Radarlinie, sowie über die Entfernung zum nächsten Kursänderungspunkt informiert. Die Radarline bezeichnet den Weg, den die grossen Schiffe benutzen müssen, um sich in der Mitte des Fahrwassers zu bewegen. Die Radarline ist optisch auch durch die Richtfeuerlinien gekennzeichnet. Gerade bei schlechter Sicht (wie Nebel oder Schneetreiben) oder wie jetzt, wenn die Tonnen nicht mehr erkennbar sind ist das eine wichtige Navigationshilfe an Bord.

elbebilder.de: Gibt es weitere Einschränkungen für die Schifffahrt?

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Mario I. : Einige Schiffe haben bereits Probleme mit dem Kühlwasser, weil die Seekästen (Kühlwassereintritt) sich mit Eis vollsetzen und die Maschinen dann nicht mehr ausreichend gekühlt werden. Auch beim Anlegen ist das Eis eine große Behinderung, da es sich zwischen Schiff und Kaimauer schiebt und damit ein fast unüberwindbares Hindernis darstellt. Teilweise wird dafür dann auch die Hilfe eines Schleppers benötigt, der das Eis mit Hilfe seine Maschine wegspült.